H und G

Wir wollen mit diesem Projekt ein Angebot machen, im Internet über Aufarbeitungsfragen zu informieren und zu diskutieren. Unserem Internetauftritt stasibesetzung.de fügen wir jetzt das Forumportal Heute und Gestern hinzu.

Die Debatte über die Bewertung der Rolle der DDR-Opposition im Zusammenhang mit der friedlichen Revolution hatte bekanntermaßen 2019 einen ihrer Höhepunkte. Anstoß war ein Artikel von Detlef Pollack in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Im Zuge der weiteren Diskussion kam der Wunsch nach Verstetigung des Austausches dazu auf. Der Aufarbeitungsverein Bürgerkomitee 15. Januar in Berlin hatte angeboten, ein solches Treffen vorzubereiten, es fand im Herbst 2019 unter reger überregionaler Beteiligung statt. In diesem Zusammenhang hatten wir dann auf Bitten der Runde zugesagt, ein Nachfolge-Treffen im Frühjahr 2020 zu organisieren. Ein weiteres überregionales Treffen war zu einem Rückblick auf die Stasibesetzungen von 1989/90 geplant. Da aus bekannten Gründen derzeit kein derartiges Treffen stattfinden kann, wollen wir nun dieses Internetforum einrichten. 

Der bedauerliche Untergang der Zeitschrift "Horch und Guck" ist ein weiteres Motiv, jetzt ein solches Forum zu starten. Immer wieder wurde und wird bedauert, dass es so gekommen ist, und der Verein Bürgerkomitee 15. Januar hat sicher einen großen Anteil daran. Nach jahrelanger durchaus erfolgreicher Herausgeberschaft ist in einer personellen, organisatorischen und finanziellen Überforderungssituation eine Entscheidung gefällt worden, die aus heutiger Sicht möglicherweise falsch war. Bedauerlicher Weise ist es auch dem Bürgerkomitee  Leipzig, das damals die Nachfolge der Herausgeberschaft übernommen hat, nicht gelungen, die Zeitschrift als Periodikum wieder aufleben zu lassen. Inzwischen ist offenkundig, dass eine solche Möglichkeit der Information und Selbstverständigung fehlt. Die Aufarbeitungslandschaft besteht heute aus ehrenamtlichen Vereinen, öffentlichen Institutionen und Organisationsformen dazwischen und bindet eine relativ große Anzahl von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Fachleuten sowie Honorarkräften, die sich gemeinsam auf dem Laufenden halten und über Probleme austauschen könnten und sollten. 

Ein Online-Forum bietet sich aus unserer Sicht dafür an, es kann die verschiedenen Akteure und Interessierten vernetzen, Synergien nutzen und versuchen, unsinnige Konkurrenzen abzubauen.

Potentiell ist das HuG- Forum sicher weiter zu professionalisieren und zu erweitern (z.B. um eine Rubrik Rezensionen). Auch ein Beirat wäre mittelfristig sinnvoll und denkbar. Das alles sind Fragen von Akzeptanz, Kooperation, finanziellen Mitteln und Kapazitäten. Wir starten mit dieser Ausgabe einen Testballon und hoffen, dass er euer Interesse findet und zum Mitmachen motiviert.

Christian Booß, Berlin 

Matthias Sengewald, Erfurt

Kontakt und Anfragen

Editorial 2/20

Nach unserem Testballon, H-u-G Nummer 1, bekamen wir so viel Zuspruch, dass wir uns ermutigt fühlten weiterzumachen. Hier nun, immer noch mit Pilot-Status, Nummer 2. Entsprechend dem Anspruch, anders als bei der früheren Horch und Guck stärker aktuelle und historische Themen zu verbinden, haben wir diesmal folgenden Themenschwerpunkt aufgenommen:

Wie angekündigt dokumentieren wir zunächst wesentliche Teile der Debatte darüber, wem "gehört" die Friedliche Revolution und wer hat sie gemacht. Dass sie never ending scheint, ist ein Indiz dafür, dass es bislang offenbar keinen Konsens gibt, und die Perspektiven und das Ereignis vielfältiger waren, als an Jahrestagen oft vereinfacht dargestellt. Im Erzgebirge demonstrierte man mit anderen Motiven als in Ostberlin. Und auch dort unterschieden sich offenbar die Ziele, die meisten Protagonisten der Kontroverse wohnten ja dort.

Werner Schulz war so freundlich uns seine zwei Beiträge zur friedlichen Revolution zur Verfügung zu stellen, mit denen er vor allem auf die Veröffentlichung von Klaus Wolfram und aktuell auf Jana Hensel reagiert hat.
Mehr unter Wem gehört 1989?

Der zweite Schwerpunktbereich widmet sich dem Linksextremismus. Aufarbeitung, die nicht in reiner Rückschau erstarrt, sollte auch wach sein für aktuelle Tendenzen, die Gefahr laufen, demokratische und rechtsstaatliche Grundlagen zu unterminieren. Auch die Aufarbeitungsnews haben daher einen Schwerpunktsetzung bei diesem Thema.
Mehr unter Der verdrängte Linksextremismus

Unsere Partner bei den Zeitschriften Gerbergasse und  Neue Justiz waren wieder so freundlich, uns exemplarische Artikel zur Rechtsstellung ehemaliger DDR-Heimkinder  nach den Rehabilitierungsgesetzen und zum Thema Zersetzung zur Verfügung zu stellen. Letzteres wird einer der Schwerpunkte der nächsten Ausgaben sein.


Call for articles

Der Vorteil eines Internetforums ist, es kann flexibel ergänzt werden und reagieren. Wer Kommentierendes oder Ergänzendes zu unseren Themen Linksextremismus, Wer machte die 89er Revolution? Oder Europa nach Corona, verfassen möchte, kann uns Artikel gerne einschicken. Gleiches gilt für künfitige geplante Schwerpunktthemen wie Putins Russland, die (Neu-)Bewertung der Stasi-“Erstürmungen“ von 1989/90, kirchliche Jugenddiakonie und offene Jugendarbeit in der DDR, Zersetzung-war es die Stasi allein? Auch Themenanregungen nehmen wir gerne entgegen.

Christian Booß, Berlin 

Matthias Sengewald, Erfurt

Kontakt und Anfragen