Friedhof ohne Gräber, Befreiung ohne Freiheit
Von Memorial Deutschland
Das sowjetische Ehrenmal in Berlin Treptow ist einer der wichtigsten Orte zum Verständnis der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Das Ehrenmal gedenkt dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland imperialheroisierend und in einer sowjetischen Kollektivlogik bezüglich der Millionen Opfer des Zweiten Weltkrieges. 7200 der 22 000 im Mai 1945 bei der Befreiung Berlins vom Nationalsozialismus gefallenen sowjetischen Soldatinnen und Soldaten sind dort begraben – ohne dass ihre Grabstätten erkennbar sind. Die feierliche Einweihung am 8. Mai 1949 fand in den letzten Tagen der Berlin Blockade statt. Über die Breshnew-Ära der 1960er und 1970er Jahre bis hinein ins heutige Russland Putins mit seinem mörderischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist es ein Bauwerk des sowjetischen bzw. russländisch imperialen Selbstverständnisses. Die, anders als in der Sowjetunion, bis heute am Treptower Ehrenmal erhaltenen Stalin-Zitate leugnen die sowjetische Gewaltherrschaft und den stalinistischen Terror – einschließlich des Hitler-Stalin-Paktes (1939–41) mit seiner die Gesellschaften Mittelosteuropas bis heute prägenden, genozidalen Gewalt. Der Verein Memorial Deutschland wirbt deshalb für eine dialogisch kritische und multiperspektivische Betrachtung des Ehrenmals. Den 5178 namentlich bekannten sowjetischen Soldatinnen und Soldaten soll eine würdevolle Sichtbarkeit ihrer Grabstätten zugestanden werden, ohne Eingriffe in die Bausubstanz.
Die sowjetischen Soldatinnen und Soldaten
Die Historikerin Catherine Meridale stellt in ihrem 2006 erschienenen Buch „Iwans Krieg“ die Monstrosität und Erbarmungslosigkeit des deutschen Vernichtungsfeldzugs gegen die Sowjetunion aus der Perspektive der „Roten Armee“ dar. Über acht Millionen Rotarmistinnen und Rotarmisten ließen ihr Leben, davon über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, die in deutschen Lagern systematisch in den Hunger bzw. Kältetod getrieben oder direkt erschossen wurden. In den ersten Kriegswochen ab dem 22. Juni 1941 gehörten jüdische und muslimische Sowjetsoldaten im Zuge der systematischen Judenverfolgung als Beschnittene zu den ersten Todesopfern von NS-Kriegsverbrechen auf sowjetischem Boden. Im Kontext dieses Grauens legt Meridale auch die Gedanken der in der „Roten Armee“ kämpfenden Männer und Frauen offen: wie sie die Sowjetunion erlebten und wie der Krieg sie formte. Ihre mit dem Sieg über Hitler-Deutschland einhergehende Hoffnung auf eine neue Freiheit enttäuschte Stalin schnell. Wie heimkehrende Zwangsarbeiter kamen auch viele der Rotarmistinnen und Rotarmisten von der Front direkt in den Gulag oder fielen stalinistischen Säuberungen zum Opfer. Kollektiv der Kollaboration bezichtigte Völker an Wolga, auf der Krim und im Kaukasus wurden 1944 nach Sibirien oder Zentralasien deportiert, wie 1941 schon die Russland- und Exildeutschen in der Sowjetunion.
Ein Stalin-Zitat am Treptower Ehrenmal spricht lapidar von „zwei Jahrzehnten friedlicher Aufbauarbeit des Sowjetvolkes“ vor dem Krieg. Dies blendet vollständig den millionenfachen Tod durch Gewaltherrschaft und Zwangskollektivierung aus, was sich mit besonderer Härte in der Ukraine (Holodomor) oder in Kasachstan (Asharshylyk) zeigte. Außerdem tabuisiert das Ehrenmal ganz im Sinne des Stalinismus eine Differenzierung sowjetischer Opfergruppen. Darunter über drei Millionen von den Nationalsozialisten getötete sowjetische Juden, über eineinhalb Millionen gefallene ukrainische Sowjetsoldatinnen und -soldaten sowie das extreme Kriegsleid der belarussischen Sowjetbürgerinnen und -bürger.
Über 30 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion erwarten immer mehr Berlinerinnen und Berliner am Treptower Ehrenmal mehr kontextualisierende Sichtbarkeit für ihre unterschiedlichen auf die Sowjetunion und den Zweiten Weltkrieg bezogenen Familiengeschichten. Angesichts des russischen Vernichtungskrieges gegen die Ukraine irritiert das Mahnmal wie nie zuvor und wird gerade durch Menschen aus dem postsowjetischen Raum überraschend anders genutzt als wir es im Rahmen der deutschen Erinnerungskultur erwarten würden. Für viele andere ist und bleibt es einfach nur eine Parkanlage, da die Gräber nicht erkennbar sind.
Der Hitler-Stalin-Pakt
Ein weiteres Stalin-Zitat im Ehrenmal erwähnt den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, auch als „Hitler-Stalin-Pakt“ bekannt, der die Familiengeschichten im Prinzip aller zwischen Berlin und Moskau lebenden Europäerinnen und Europäer beeinflusste. Das Zitat in goldenen Lettern ignoriert Stalins Einverständnis zu Hitlers Angriff gegen Polen am 1. September 1939 und leugnet zudem den durch den Pakt abgestimmten sowjetischen Einmarsch in Polen ab dem 17. September 1939, gefolgt vom Einmarsch im Baltikum, in Finnland und in Rumänien. Der Pakt legte, unter anderem mit Rohstofflieferungen, die Grundlagen für Hitlers Krieg in Nord-und Westeuropa 1940. Eindrücklich beschreibt das 2005 erschienene Buch „Mit Ballschuhen im sibirischen Schnee“ der ehemaligen lettischen Außenministerin Sandra Kalniete die stalinistische Unterdrückung am Beispiel einer lettischen Familie. Das triumphale Heldengedenken am Treptower Ehrenmal beklagt lediglich, dass Deutschland im Juni 1941 „in brutaler und niederträchtiger Weise den Nichtangriffspakt verletzte“. Dementsprechend beinhaltet die Ehrung in Treptow nur die Ereignisse ab Beginn des sogenannten „Großen Vaterländischen Krieges“ (1941–45), unterschlägt aber die maßgebliche Vorgeschichte.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8./9. Mai 1945 veränderte sich für Polen und die baltischen Staaten jedoch nichts an ihrer mit dem Hitler-Stalin-Pakt begonnenen Unterjochung. Dafür stehen exemplarisch die Augustów-Razzia im Juli 1945 in Ost-Polen mit 600 Ermordeten oder das Schicksal von 927 heute rehabilitierten Bürgerinnen und Bürgern aus der DDR, die zwischen 1950 und 1953 wegen angeblicher Spionage und antisowjetischer Agitation zum Tode verurteilt und in Moskau erschossen wurden.
Dem Andenken dieser Opfer hat sich das Gedenkprojekt „Letzte Adresse“ verschrieben (www.letzteadresse.de). Für die Staaten im sowjetischen Machtbereich bzw. diejenigen, die 1940 wie die drei baltischen Staaten zwangsweise in die Sowjetunion eingegliedert wurden, ist das Ehrenmal in Treptow weiterhin ein sowjetimperiales Monument der Unterdrückung ihrer Freiheit. Außerdem verschweigt das Ehrenmal den Beitrag, den 12 000 polnische Soldaten zur Befreiung Berlins leisteten, von denen 8892 dabei ihr Leben ließen.
Die „Völker der Sowjetunion“
Das zweite von insgesamt acht Stalin-Zitaten im Ehrenmal suggeriert eine „Einheit der Völker der Sowjetunion“. Dies ist wiederum ein sowjetisches Konstrukt zur Machtlegitimation, das nicht nur für die baltischen Staaten nicht zutraf, sondern auch den repressiven Charakter von Bolschewismus und Stalinismus ausblendet. Die im Stalin-Zitat als Sowjetvolk zuerst genannte Ukraine spielte im imperialen Selbstverständnis Russlands stets die zentrale Rolle. Politische Bestrebungen, um die ukrainische Sprache und das Nationalbewusstsein zu unterdrücken, sind von Zar Peter I. ab dem Jahr 1720 bis hin zum Tod des ukrainischsprachigen Schriftstellers Wassyl Stus 1985 in sowjetischer Lagerhaft („Perm36“) belegt. „Ruhm und Freiheit der Ukraine sind noch nicht gestorben“ sind die ersten Worte der vor 150 Jahren entstandenen ukrainischen Nationalhymne. In die europäischen Nationalstaatswerdungen des 19. Jahrhunderts – also die Verwirklichung der Idee demokratischer, gleicher Rechte und diese schützende staatliche Institutionen – reiht sich auch die Ukraine ein. Im Kontrast dazu steht der Text der heutigen Nationalhymne Russlands mit den einleitenden Worten: „Russland, unsere geheiligte Macht“. Spätestens mit der Vollinvasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde unübersehbar, wie sehr das Selbstverständnis in Putins Russland von imperialem Denken geprägt ist, das unkommentiert auch im Heroismus stalinistischer Prägung im Treptower Ehrenmal zum Ausdruck kommt. Wie wirkt da im Lichte des Krieges in der Ukraine mit seinen zehntausenden Toten und unzähligen russischen Kriegsverbrechen das Treptower Ehrenmal auf ukrainische Familien? Egal ob sie ihren dort begrabenen Vorfahren gedenken möchten oder vor Putins Krieg nach Berlin geflohen sind. Schätzungen zufolge haben 20 Prozent der am Treptower Ehrenmal bestatteten Rotarmistinnen und Rotarmisten einen ukrainischen Geburtsort.
Das Ehrenmal
Die Ausschreibung der sowjetischen Militäradministration aus dem Jahr 1946 spricht von der Aufgabe „einer bleibenden monumentalen historischen Gedenkanlage, die den Gedanken der fortdauernden lichten Erinnerung an die gefallenen Soldaten und die Größe der internationalen Befreiungsmission der Sowjetarmee, für deren Verwirklichung diese Soldaten ihr Leben gaben“. Vordergründig ging es also nicht um ein Denkmal des Sieges. Die Betonung des kollektiven Sieges über das nationalsozialistische Deutschland unter Zurückstellung des individualisierten Gedenkens verbreitete sich erst in den 1960er Jahren in der Sowjetunion. Unter anderem manifestiert in dem 1967 eingeweihten „Mamajew-Hügel“ in Wolgograd oder im 1979 fertiggestellten „Geschmiedeten Schwert“ in Magnitogorsk. So wurde der 9. Mai auch erst 1965 – im Kontext einer Gedenkoffensive zum 20. Jahrestag des Kriegsendes – zu einem arbeitsfreien Feiertag in der Sowjetunion. Das Treptower Ehrenmal aber wurde zu einer Blaupause sowjetischer Machtprojektion und imperialer Machtausübung jenseits des „Eisernen Vorhangs“, die bis heute wirkt – auch auf russischen Soldatengräbern heute.
Die deutsche Perspektive
Das Ehrenmal ist prägend für den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick und integriert sich als bestens gepflegte Friedhofsanlage und Erholungsort in den Stadtteil – im westdeutsch geprägten Nachbarbezirk Neukölln wissen viele nichts von seiner Existenz. Gebrochen wird seine ruhige Atmosphäre alljährlich am 8. und 9. Mai, wenn „Marxisten-Leninisten“, „Anti-Faschisten“, „Putin-Verehrende“ und andere den Logiken der russischimperialen Propaganda folgend lautstark auf dem Gelände des Ehrenmals demonstrieren – bis hin zur Heroisierung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Oft stören sie die Totenruhe und verhalten sich dem historischen Kontext der Anlage gegenüber unwürdig. Im „Bündnis Gedenken gegen den Krieg“, zusammen mit Engagierten der Vereine DemokratiJA und Coopera, hat Memorial Deutschland mit Unterstützung des Bezirkes Treptow-Köpenick am 8. und 9. Mai 2025 erstmals die Namen dort begrabener sowjetischer Soldatinnen und Soldaten öffentlich verlesen (auf einer Bühne mit Fotografien der russischen Aggression). Auch „kritische Führungen“ in deutscher, ukrainischer und russischer Sprache wurden angeboten, um dem Missbrauch des Gedenkens für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine entgegenzutreten. Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg in Europaam 1. September 1939 begonnen, der als Vernichtungsfeldzug im Osten geplant wurde und im Holocaust gipfelte – ein in der Geschichte bis dahin ungesehener Mordexzess an Millionen Zivilistinnen und Zivilisten.
Für die vielen Millionen Opfer des Nationalsozialismus ist das Ehrenmal ein Ort des Gedenkens, aber auch ein Symbol der „siegreichen Selbstermächtigung“ über das nationalsozialistische Deutschland. Daher ist für viele deutsche Besucherinnen und Besucher das Treptower Ehrenmal ebenfalls ein Gedenkort zur Befreiung vom Nationalsozialismus durch die Alliierten, der zuerst Westdeutschland und mit dem „Fall der Mauer“ und dem „Geschenk der Wiedervereinigung“ 1989/90 auch das heutige Deutschland seine Freiheit und seinen Wohlstand verdankt. Vor diesem Hintergrund ist das Ehrenmal eine Mahnung an die Verantwortung, die Deutschland als größtes Land der Europäischen Union und im Zentrum des europäischen Kontinents trägt. Dennoch ist die innerdeutsche Debatte zum deutsch-russischen Verhältnis häufig von einer dieser Verantwortung nicht gerecht werdenden Nostalgie geprägt, die auf einer Gleichsetzung der Sowjetunion mit Russland basiert. Beispielsweise projiziert auf Katharina II. in Verklärung absolutistischer Macht und imperialistischer Gewalt.
Das Gedenken an die Opfer totalitärer Gewalt im 20. Jahrhundert braucht ebenfalls ein Ende der Verklärung der imperialistischen Adelshäuser der Hohenzollern, Habsburger und Romanows. Zu oft werden die Perspektiven und Interessen der Menschen im Baltikum, in Polen oder in der Ukraine ignoriert – vom Rapallo-Vertrag über den Hitler-Stalin-Pakt bis hinein in den „Kalten Krieg“ mit deutsch-sowjetischen Freundschaftsgesellschaften und der Ostpolitik Willy Brandts. Auch den meist ostdeutschen Opfern des Stalinismus und der kommunistischen Unterdrückung wird im wiedervereinten Deutschland öffentlich zu wenig gedacht. Auch die teilweise bis heute tabuisierte Gewalt sowjetischer Soldaten gegen (ost)deutsche Frauen 1945 darf bei aller Vielschichtigkeit nicht unerwähnt bleiben. Ein multiperspektivischer Diskurs über das Ehrenmal in Treptow kann der pluralen deutschen Gesellschaft dabei helfen, ein historisch fundiertes, wertebasiert europäisches Verantwortungsbewusstsein zu erzeugen. In Anknüpfung an den 2024 verstorbenen Historiker Bernd Faulenbach sollen dabei Deutschlands nationalsozialistische Vergangenheit niemals relativiert, (sowjet)kommunistische Verbrechen nicht bagatellisiert und imperiale Denkmuster (auch jenseits von Europa) überwunden werden.
Die russische Perspektive
Erst ab den 1960er Jahren propagierte die Sowjetunion ein das Land einendes Sieg und Heldennarrativ, dass auch die Wunden zeitweiliger Nazi-Kollaboration, etwa durch ukrainische Nationalisten wie Stepan Bandera, überdecken sollte. Problematisch ist dabei eine immer wieder durchscheinende „Russifizierung“ aller sowjetischen Kriegsopfer. Der 9. Mai wird in Russland heute von vielen als Nationalfeiertag empfunden, wenngleich dies der „Tag Russlands“ am 12. Juni 1990 ist, an dem der staatlichen Souveränität Russlands gedacht wird. Das Gedenken an Millionen jüdischer Opfer durch den NS-Vernichtungskrieg wurde in der Sowjetunion stets marginalisiert – sie wurden unter der Rubrik „friedliche sowjetische Bürger“ subsumiert. In der DDR erhielten kommunistische Widerstandsgruppen eine höhere Sonderrente als jüdische Überlebende, die „nur“ als rassistisch verfolgt galten. Der Faschismusbegriff der DDR und der Sowjetunion negierte Antisemitismus als zentrale Ideologie des Nationalsozialismus, um keine herausgehobenen Opfergruppen im sozialistischen Kollektiv zu schaffen.
Mit dem Ende des „Kalten Krieges“ entstand mit einem sich politisch öffnenden Russland eine neue europäische Sicherheits- und Friedensarchitektur – auch zum Vorteil Russlands. So war die Russische Föderation dank des NATO-Russland-Grundlagenvertrags (1997) so sicher wie wohl nie zuvor. In diesem Geiste wurden auch der NATO-Russland-Rat (2002) und der NATOBeitritt der drei baltischen Staaten (2004) von russischer Seite als Elemente dieser neuen Ordnung unterstützt. Innenpolitisch geprägt wurde Russland aber seit den 1990er Jahren von Verfassungs- und Wirtschaftskrisen und zwei Tschetschenien-Kriegen. Symbolisiert durch die Wiedereinführung der alten sowjetischen Hymne im Jahr 2000 ging eine wachsende Beschneidung demokratischer Freiheiten einher. Die Verbrechen des Stalinismus, wie sie zu Katyn (im Mai 1940) oder Sandarmoch (1937/38) dokumentiert sind, werden durch Moskau heute wieder geleugnet. Ab 2008 mit dem russisch-georgischen Krieg bzw. mit der Krim-Annexion und einem hybriden Krieg im Donbas ab 2014 begann eine immer aggressivere, völkerrechtswidrige Außenpolitik Russlands. Der 24. Februar 2022, der Beginn des offenen Krieges gegen die Ukraine, war der finale Bruch Russlands mit der europäischen Friedensordnung und eine Rückkehr zur kommunistischen Gewaltpolitik. Äußere Aggression und innere Repression sind heute, wie schon in den 1930er und 1940er Jahren, zwei Seiten derselben Medaille. Das sowjetische Ehrenmal in Treptow wird in diesem Kontext zur Projektionsfläche imperialistischer Großmachtgefühle, wodurch das Gedenken und die Ehrung der Kriegstoten immer stärker in den Hintergrund rücken.
Fazit und Ausblick
Indem Europa sich gegen den poststalinistischen Putinismus und dessen zerstörerische Aggression wehrt, wehrt es sich auch gegen die Rückkehr von Imperialismus und Gewaltherrschaft. Das Treptower Ehrenmal als Ort kollektiven Kriegsgedenkens und politischer Machtdemonstration der untergegangenen UdSSR kontrastiert mit dem Verlangen einer in Demokratie und Freiheit lebenden europäischen Gesellschaft nach individueller Soldatenehrung und einem mehrdimensionalen Kriegsgedenken. Memorial Deutschland setzt sich dafür ein, dass die Soldatengräber würdevoll und sichtbar gestaltet werden, etwa durch gartenbauliche Maßnahmen, und dass durch kontextualisierende Infoangebote, beispielsweise über QR-Codes zum Abruf von zusätzlichen Online-Quellen, eine multiperspektivische Betrachtung der vielen Facetten des Ehrenmals möglich wird. Jegliche baulichen Eingriffe am Ehrenmal lehnen wir ab und möchten stattdessen das sowjetische Ehrenmal in Treptow zu einem zentralen Ort europäischer Selbstreflexion machen – auch als Bereicherung beim Umgang mit anderen sowjetisch geprägten Gedenkorten in Deutschland wie beispielsweise den Seelower Höhen.