An der Seite und unter Führung der Arbeiterklasse
Ehemalige höhere Offiziere und Generäle der Wehrmacht in den Diensten der bewaffneten Organe der DDR seit 1948
von Manfred Zeidler[1]
Als mit dem Gesetz der Volkskammer vom 18. Januar 1956 die „Nationale Volksarmee“ der DDR und mit ihr das „Ministerium für Nationale Verteidigung“ im brandenburgischen Strausberg ihre Gründung erfuhren, war ihre organisatorische und personelle Gestalt längst ausgebildet. Die Streitkräfte der DDR wurden nicht erst geschaffen, sondern traten als solche nunmehr offiziell in Erscheinung. Im Endergebnis einer bereits mehrjährigen Phase der Militarisierung und militärfachlichen Aufbauarbeit bildete der 18. Januar 1956 nur mehr die formale Bestätigung und öffentlichen Bekanntmachung eines schon längst bestehenden Zustandes. Den Ausgangspunkt dieser Entwicklung zu einer schrittweisen Militarisierung der schon bestehenden Volkspolizeien (VP) der Länder bildete die Einrichtung einer „Deutschen Verwaltung des Inneren (DVdI) aufgrund eines Befehls der sowjetischen Militärverwaltung (SMAD) von Ende Juli 1946, dem noch im November des Jahres der noch durch die Innenministerien der Länder organisierte Aufbau einer Grenzpolizei folgte. Der nächste Schritt kam im Frühjahr 1948 in Gestalt eines Beschlusses der Länderinnenminister zur Schaffung zentralisierter Polizeikräfte und der durch die SMAD genehmigten Aufstellung kasernierter Polizeiverbände, wodurch die DVdI die zentrale Zuständigkeit und Oberaufsicht über die Polizeiverwaltungen in der gesamten sowjetischen Besatzungszone (SBZ)erhielt. Somit wird man 1948 als das de facto Gründungsjahr der „Kasernierten Volkspolizei“ (KVP) betrachten dürfen, woraufhin im Januar 1949 die Einführung einheitlicher Dienstgrade in der gesamten „Deutschen Volkspolizei“ (DVP) folgte.
Den nächstfolgenden Einschnitt bildete das Jahr 1952 im Zeichen eines u.a. durch den Koreakrieg verschärften internationalen Klimas. Anfang April reisten Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und Walter Ulbricht nach Moskau, wo ihnen Stalin den dringlichen Wunsch der Sowjetregierung nach auf möglichst professionalisierter militärischer Grundlage organisierten Sicherheitskräften der DDR unterbreitete. Aus Piecks stichwortartigen Notizen über die Ausführungen des Sowjetdiktators ist zu lesen:
„Volksarmee schaffen – ohne Geschrei – Pazifistische Periode ist vorbei – Nicht Miliz, sondern ausgebildete Armee – Alles ohne Geschrei, aber beharrlich“ Des Weiteren: „Jugenddienst – vormilitärische Erziehung – FDJ muss schießen lernen – kein Pazifismus“.
Moskau forderte zu diesem Zeitpunkt nicht weniger als die Aufstellung einer regulären Armee, die sämtliche Waffengattungen umfasste und in in 30 Divisionen gegliedert und in 9-10 Armeekorps zusammengefasst war.
Der Sommer des Jahres 1952 brachte dann den amtlichen Übergang zur Kasernierten Volkspolizei (KVP) mit einem Generalinspekteur (Heinz Hoffmann) an der Spitze, ergänzt um eine Volkspolizei Luft (Heinz Keßler) sowie eine Volkspolizei See (Waldemar Verner). Mitte Juli d.J. beschloss dann die 2. Parteikonferenz der SED offiziell die Schaffung starker „Nationaler Streitkräfte“ der DDR, worauf im September die Ablösung der alten Polizeidienstgrade durch einheitliche militärische Dienstgrade und Rangabzeichen innerhalb der KVP folgte, die zu diesem Zeitpunkt Ende 1952 eine Gesamtstärke von rund 90 000 Mann erreichte.
Schon beim Übergang von VP zu KVP im Laufe des Jahres 1948 zeigte sich mehr und mehr das Hauptproblem des von der SED eingeleiteten militärischen Aufbaus: Die Personal- und Kaderfrage, mit anderen Worten: die Gewinnung eines Führungspersonals mit hinreichender militärischer Kompetenz sowohl auf der zentralen Leitungs- wie auf der Truppenführerebene in möglichst kürzester Zeit. Im bewussten Gegensatz zur westdeutschen Bundeswehr, die nach ihrer offiziellen Gründung 1955 u.a. nicht weniger als insgesamt 44 frühere Wehrmachtsgeneräle in ihre Reihen aufnahm, setzte die SED-Führung gerade bei der militärischen Kaderauswahl anfangs ganz auf das „Klassenprinzip“, d.h. auf eine Art „personelles Reinheitsgebot“ in der Form einer Kombination von proletarischer Herkunft und klarer politischer Gesinnung. Ganz in diesem Sinne hatte der damalige Vizechef der DVdI. Erich Mielke, Ende Oktober 1946 als das Hauptziel der Personalarbeit innerhalb der Volkspolizei gefordert:
„Die Kommandohöhen […] fest in unseren Händen“zu belassen. Es sei besser „eine Zeit lang mit weniger guten Fachkräften zu arbeiten, aber dafür die Sicherheit zu haben, dass die demokratische Entwicklung konsequent weitergeführt wird“.
Demgemäß schlossen die Einstellungsrichtlinien für die Polizei aus dem Jahre 1947 ehemalige Berufssoldaten, d.h. Offiziere und Unteroffizier der Wehrmacht ausdrücklich aus.
Anderthalb Jahre später, im April 1948, thematisierte, wenngleich schon in einer etwas veränderten Nuance, auch Walter Ulbricht auf einer Länderinnenministerkonferenz dasselbe Problem mit den Worten:
„Wir brauchen Leute, die Fronterfahrungen, Leute die Spanienerfahrungen oder sich auch sonst im Kampf bewährt haben. Ein Mann, der am Ebro gekämpft und sich bewährt hat, ist für uns nicht zu ersetzen, er gehört in eine leitende Stellung. In der Polizeifrage verstehen wir keinen Spaß. Dort sollen kampferfahrene Leute hinkommen.“
Schon kurz darauf, im August d.J., stellte die DVdI-Leitung (Kurt Fischer) in einem Schreiben an die SMAD unumwunden fest, dass „es so gut wie unmöglich sein wird, die Soll-Zahlen für die aufzustellenden Bereitschaften und überhaupt für die Polizei zu erreichen, wenn nicht auf ehemalige Mitglieder der Hitlerjugend zurückgegriffen werden darf“.
Schon der Herbst 1948 brachte den noch deutlicheren Umschwung auf diesem für die SED-Führung anfangs so heiklen Problem, als der neue DVdI-Chef, der vormalige sächsische Innenminister und langjährige Agent des sowjetischen Nachrichtendienstes mit besten Beziehungen nach Moskau, Kurt Fischer, auf einer Potsdamer Ministerkonferenz im Oktober ausführte:
„Unbedingt notwendig ist, einen Teil militärischer Spezialisten in die Polizei aufzunehmen, d.h. Offiziere und sogar ganz hoher Offiziere, denn wir haben in der Arbeiterklasse und auch in unserer Partei solche Spezialisten nicht, die die Waffenausbildung, die taktische Ausbildung, vor allen Dingen auch die Versorgung des Nachschubs, der Intendantur besorgen können und die nötigen Voraussetzungen mitbringen […]. Es sind noch keine hundert Offiziere, die wir jetzt als Stabschefs und Spezialisten in den Bereitschaften aufgenommen haben, damit sie uns in der Organisation, an der Schaffung dieser Dienstzweige helfen, wo wir noch keine Spezialisten haben.“ Des Weiteren sprach Fischer von einer Anzahl ehemaliger Generale, „die jahrelang in Antifa-Schulen in der Gefangenschaft zeigen konnten, dass sie mit ihrer Tradition gebrochen haben […] mindestens theoretisch fest im Lager des Fortschritts stehen“.
Mehr und mehr wurden jetzt auch auf dem militärischen Gebiet das sowjetische Vorbild und dessen Rezepte für die SED-Führung verbindlich. Bekanntlich hatten die Bolschewiki, kurz nachdem sie 1918 in den Bürgerkrieg gegen das weißgardistische Lager eintraten, unter ihrem Kriegskommissar Trotzki massenhaft ehemalige Offiziere der Zarenarmee für sich rekrutiert und davon am Ende entscheidend profitiert. Somit konnte man sich auf Lenin berufen, der gegen Ende des Bürgerkriegs in einer Rede vom November 1919 öffentlich erklärt hatte:
„In der Roten Armee sind zehntausende alter Offiziere und Oberste tätig. Hätten wir sie nicht in unsere Dienste genommen und sie nicht gezwungen, uns zu dienen, hätten wir keine Armee aufbauen können […] Der Kommunismus kann nicht aufgebaut werden ohne Wissen, Technik und Kultur; diese aber sind im Besitz der bürgerlichen Spezialisten. Die meisten von ihnen sympathisieren nicht mit der Sowjetmacht, doch ohne sie können wir den Kommunismus nicht aufbauen. Man muss eine kameradschaftliche Atmosphäre um sie schaffen, den Geist kommunistischer Arbeit auf sie einwirken lassen und erreichen, dass sie in Reih und Glied mit der Arbeiter- und Bauernmacht marschieren.“ (Lenin, Werke, Bd. 30, Berlin (Ost), S. 132f.)
Die diesbezüglichen Rezepte wurden offenkundig von Moskau aus der SED-Führung ans Herz gelegt, da schon im Frühsommer 1948 ca. 150 kriegsgefangene Wehrmachtsoffiziere in einem sowjetischen Speziallager zusammengezogen wurden, wobei für ihre Auswahl vorrangig ihr Fachwissen nebst einer erkennbaren „positiven“ politischen Einstellung maßgeblich war. Schon im September darauf trafen 100 ehemalige Offiziere und 5 Generäle aus der Sowjetunion in der SBZ ein, um zum 1. Oktober vorrangig für Leitungsfunktionen auf Zonen- und Länderebene Verwendung zu finden. Ein knappes Jahr darauf, Ende August 1949, folgten 3 weitere Transporte mit gut 3000 vorzeitig aus der Kriegsgefangenschaft entlassenen, unter ihnen 134 „Antifa-Absolventen“ und 9 weiteren Ex-Generälen, die sich offenkundig für eine militärische Dienstverwendung in der vor ihrer Gründung stehenden DDR verpflichtet hatten. Dazu hieß es in einem internen Bericht an Walter Ulbricht:
„Unsere Freunde wünschen ausdrücklich, dass bei der Aussprache mit den Generälen denselben größte Aufmerksamkeit und Höflichkeit entgegengebracht wird […] Die Generäle wurden von unseren Freunden mit größtmöglicher Aufmerksamkeit und Achtung behandelt […] hatten eine vorzügliche Bedienung und führen umfangreiches Gepäck mit sich“.
Im Herbst 1952 repräsentierten schließlich 28 Offiziere im Generalsrang die militärische Führungselite der KVP, von denen 13 SED-Parteifunktionäre, zumeist „Spanienkämpfer“ und exakt die andere Hälfte ehemalige Wehrmachtsoffiziere, darunter 5 in Generalsrängen von Heer und Luftwaffe waren. Im Jahr darauf, im Oktober 1953, stellten Ex-Wehrmachtsoffiziere dreiviertel aller Leiter von Militärschulen, die knappe Hälfte aller Militärärzte sowie ein gutes Drittel aller Chefs von Verwaltungen im damaligen Ministerium des Inneren. Obgleich insbesondere bei den Generälen und Stabsoffizieren ihre z.T. längere Mitgliedschaft in formell antifaschistischen Kriegsgefangenenorganisationen wie dem „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD) oder dem „Bund Deutscher Offiziere“ (BDO) eine gewisse Gewähr für ihre dem gemäße politische Grundhaltung zu versprechen schien, blieben gerade die von den Sowjets so auffällig hofierten Ex-Wehrmachtsgeneräle auch während ihrer Dienstzeit in KVP und NVA - je nach Person und Dienststellung unterschiedlich – im Blickfeld der Staatssicherheit und ihrer diversen Zuträger. Sicher gab es innerhalb des SED-Apparats sowohl Misstrauen wie Vorbehalte gegenüber den „Ehemaligen“, insbesondere denen in NVA-Generalsrängen, deren Wiederverwendung den parteiamtlich so lautstark propagierten antimilitaristischen Antifa-Mythos der DDR und ihrer Staatsorgane in Frage zu stellen geeignet schien. Noch am Vorabend der offiziellen Gründung der NVA im Januar 1956 dienten nach amtlicher Statistik noch genau 500 ehemalige Wehrmachtsoffiziere zum größten Teil aus niedrigeren Offiziersrängen unterhalb der Majorsebene in allen Teilstreitkräften der KVP (ihr Anteil sank bis 1962 auf 84). Angesichts dessen beschloss das Politbüro der SED schließlich Mitte Februar 1957 die schrittweise Verabschiedung zumindest der ehemals höheren Wehrmachtsoffiziere aus der NVA, insbesondere der Generäle unter ihnen, schon bis zum Jahresende, was sich jedoch aufgrund verschiedenster Sachzwänge noch fast bis auf das darauffolgende Jahresende 1958 hinauszögerte.
Als eine Art Auffangbecken für die Betroffenen - R. J. Lapp spricht von einem „Pensionsverein“ - wurde im Januar 1958 in Berlin die „Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere“ (AeO) gegründet, die erst kurz nach Beginn der Honecker-Ära zu Anfang 1972 ihre Arbeit endgültig einstellte. Ihre Aktivitäten konzentrierten sich auf militärwissenschaftliche und sicherheitspolitische Themen (monatlich erscheinendes „Mitteilungsblatt“ mit einer Auflage von zeitweilig bis zu über 20 000 Exemplaren), die nicht zuletzt auf ehemalige Wehrmachtsoffiziere in der Bundesrepublik zielten und noch ganz im Geiste der Ulbricht-Ära das Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands propagierten.
Im Folgenden sei eine in 4 blockartige Abschnitte gegliederte Auflistung der wichtigsten und hochrangigsten Akteure in der NVA und ihrer militärischen Vorläufer seit 1948 aus den Generals- und Offiziersrängen der früheren Wehrmacht präsentiert: eine Auswahl, die naturgemäß keine Vollständigkeit zu beanspruchen vermag.
1. Ehemalige Generäle der Wehrmacht in Generalsrängen von KVP und NVA
Vinzenz Müller (Jg. 1894), Generalleutnant der Wehrmacht, 1940-43 Stabschef der 17. Armee, danach Kommandeur (Kmdr.) verschiedener Korpsverbände; 1952 Generalleutnant der KVP. Bis 1958 stellvertretender Verteidigungsminister und „Chef des Hauptstabes der NVA".
Arno v. Lenski (Jg.1893), Generalmajor, alter Kavallerist, 1939-42 Beisitzer im 3. Senat des Volksgerichtshofs, Kmdr. der 24. Panzerdivision im Stalingrad-Kessel; Generalmajor der NVA als Chef der Verwaltung Panzerstreitkräfte und Motorisierung im Nationalen Verteidigungsministerium in Strausberg.
Hans Wulz (Jg. 1893), Generalmajor, 1942/43 Artilleriekommandeur beim IV. Armeekorps in Stalingrad; Generalmajor in der KVP und NVA, 1952 Chef der Verwaltung Artillerieversorgung, 1956 Chef der Standortkommandantur Berlin (Ost). Offenbar der letzte erst im Herbst 1958 entlassene ehemalige Wehrmachtsgeneral in den Reihen der NVA.
Hans v. Weech (Jg. 1890), Generalmajor der Luftwaffe, 1945 Nachrichtenführer beim Luftgaukommando VIII; 1948-1951 Leiter der Hauptabteilung Versorgung in der Hauptverwaltung Ausbildung und deren Stellvertreter in VP und KVP.
Rudolf Bamler (Jg. 1896), Generalleutnant, 1944 Kmdr. der 12. Infanteriedivision; Generalmajor der KVP, 1953 Chef der Selbstfahrlafetten-Schule Erfurt.
Dr. Otto Korfes (Jg. 1889), Generalmajor, 1942/43 Kmdr. der 295. Infanteriedivision im Stalingrad-Kessel; Generalmajor, Chef der historischen Abteilung im Hauptstab der KVP. 1958 offizieller Begründer und bis 1964 Vorsitzender der AeO.
Walter Freytag (Jg. 1892), Generalmajor, 1945 Festungskommandant von Elbing und Danzig; 1952/53 Generalmajor der KVP und Chef der KVP-Hochschule Dresden (spätere Militärakademie Friedrich Engels).
Karl Walther (Jg. 1895), Generalarzt, 1941/42 Divisions- und Korpsarzt, danach Armeearzt der Heeresgruppe A, Armeeoberkommando Norwegen; 1952 Generalmajor des medizinischen Dienstes der KVP danach Chef der medizinischen Verwaltung der KVP.
Arthur Brandt (Jg. 1887), Generalmajor der Luftwaffe, 1944 General z.b.V. beim Luftwaffenbefehlshaber Rumänien; als Generalmajor (?)1954 Chefinspekteur Volkspolizei (VP) bei der Hauptverwaltung für Ausbildung der KVP.
Martin Lattmann (Jg. 1896), Generalmajor, 1943 Kmdr. der 14. Panzerdivision in Stalingrad: 1953 Generalmajor der VP und stellvertretender Chef für das Panzerwesen in der Verwaltung Motorisierung des DDR-Innenministeriums.
Walter Scheiber (Jg. 1893), Generalarzt, Prof. Dr. med.), floh nach gewährter Dienstentpflichtung im Oktober 1948 aus der SBZ in die Westzone.
Kurt Hähling (Jg. 1897), Generalmajor, Kmdr. der 126. Infanteriedivision; Gründungmitglied der AeV, kein offizieller militärischer Ranginhaber in KVP und NVA.
2. Ehemalige Stabsoffiziere der Wehrmacht (Major bis Oberst) in hohen KVP- und NVA-Diensträngen
Wilhelm Adam (Jg. 1893), Oberst, 1923 NSDAP-Mitglied, Teilnehmer am Münchner Hitlerputsch 1923, 1933 SA-Oberscharführer. 1942/43 Adjutant des Oberbefehlshabers der 6. Armee (Walter v. Reichenau und 1942/43 von Friedrich Paulus in Stalingrad); als Oberst von KVP und NVA bis 1958 Kommandeur der Offiziershochschule Dresden (ab 1959 Militärakademie Friedrich Engels).
Günther Ludwig (Jg. 1899) Oberst, Kmdr. des Panzerartillerieregiments 4 im Stalingrad-Kessel; bis 1958 Oberst der KVP und NVA, Chef der Verwaltung Chemische Dienste im Ministerium Strausberg. Sohn des früheren Chefs des Heereswaffenamts im Reichswehrministerium (bis 1929) General Max Ludwig (1871-1961).
Günther Assmann (Jg. 1900), Oberst i.G., 1942-44 Oberquartiermeister bei der deutschen Heeresmission in Rumänien; bis 1958 Oberst von KVP und NVA in verschiedenen Dienststellungen.
Robert Jahn (Jg. 1897), Oberst, 1. Generalstaboffizier beim deutschen Truppenbefehlshaber in Nordrumänien; ab 1956 als Oberst Chef des Wehrbezirkskommandos der NVA Frankfurt/Oder.
Fritz Herrmann (Jg. 1895), Oberst, Kmdr. Grenadierregiment 83; zuletzt als Oberst Leiter des Wehrbezirkskommandos Halle der NVA.
Robert Hoffmann (Jg. ?), Oberst, Kmdr. Jägerregiment 83 (?); ab 1952 als Oberst Abteilungschef in der Verwaltung des Kfz-Wesens der KVP.
Hans Schäfer (Jg. 1898), Oberst, Stabschef des LXII. Armeekorps; 1956 als Oberst Leiter der Verwaltung Treib- und Schmierstoffe im MfNV.
Bernhard v. Watzdorf (Jg. 1899), Oberst i.G., Chef des Generalstabs des LXXI. Armeekorps; als Oberst Leiter der Verwaltung Transportwesen im Stab KVP/Hauptstab NVA.
Gerhard Bechly (Jg. 1898), Oberstleutnant, Adjutant im Kommando der 295. Infanteriedivision; als Oberst im Stab der 4. Verwaltung des MfNV
Walter Lehweß-Litzmann (Jg. 1907), Oberstleutnant i. G., 1942/43 Kommodore des Kampfgeschwaders 3 der Luftwaffe, Ritterkreuzträger; Oberst der NVA bis 1959, Kmdr. der Fliegerschule Cottbus und Stellvertreter des Chefs Verwaltung Luftstreitkräfte.
Willi Riedel (Jg. 1909), Major, Kampfgruppenausbilder in der Wehrmacht; als Oberst Kmdr. der 6. Motorisierten Schützendivision der NVA.
Job v. Witzleben (Jg. 1914), Major i.G., 1935 NSDAP-Mitglied, 1945 1. Generalstabsoffizier der 69. Infanteriedivision; Oberst in KVP und NVA, 1957 Stabschef des Militärbezirkskommandos V (Neubrandenburg). Neffe des Generalfeldmarschalls Erwin v. Witzleben (1881-1944).
Bernhard Bechler (Jg. 1911), Major, 1942/43 Bataillonskommandeur im Grenadierregiment 29 im Stalingrad-Kessel; Generalmajor der NVA bis 1971, Chef des Instituts für Automatisierung und Mechanisierung der Truppenführung.
Heinrich Heitsch (Jg. 1916), Major i.G., 1944 1. Generalstabsoffizier im XVII. Armeekorps; Generalleutnant der NVA, 1. Stellvertretender Kommandeur der Militärakademie Friedrich Engels in Dresden.
Heinz Zorn (Jg. 1912), Major i.G., bis 1941 Staffelkapitän der Luftwaffe, 1944 Gruppenleiter im Luftwaffen-Generalstab; bis 1974 Generalmajor der NVA, stellvertretender Kmdr. der Militärakademie Friedrich Engels für den Bereich Luftverteidigung
Erich Sonnet (Jg. 1913), Hauptmann der Wehrmacht; ab 1956 als NVA-Oberst Chef der Verwaltung Pionierwesen im MfNV.
Friedwald Oehlmann (Jg.1917), Hauptmann der Wehrmacht; als Oberst der NVA stellvertretender Kmdr. der Offiziersschule der Landstreitkräfte.
Eine Auswahl ehemaliger Truppenoffiziere der Wehrmacht (Leutnant bis Hauptmann) in höheren KVP- bzw. NVA-Rängen (zumeist Generäle und Admiräle)
Reinhold Tappert (Jg. ?), Obersturmführer der Waffen-SS (Oberleutnant), 1933 NSDAP-Eintritt; 1956-59 als Oberst Kmdr. der 9. Panzerdivision der NVA im Militärbezirk V (Neubrandenburg). Wohl der einzige ehemalige SS-Offizier in einer führenden Kommandoposition der NVA (?)
Hermann Rentsch (Jg. 1913), Hauptmann in der Nebelwerfer-Truppe der Wehrmacht; Generalmjor der NVA und Chef des Ausbildungswesens im Strausberger Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) bis 1959.
Georg Reymann (Jg. 1914), vor 1945 Hauptmann innerhalb der Nachrichtentruppe; Generalmajor der NVA und Chef des Nachrichtenwesens im MfNV.
Helmut Borufka (Jg. 1918), ehemals Leutnant im Panzergrenadierregiment 21; Generalleutnant der NVA und Chef der Verwaltung Schulen und Weiterbildung im MfNV von 1965-74, Hauptinspekteur der NVA bis 1982.
Ulrich Gall (Jg. 1923), in der Wehrmacht Leutnant der Pioniertruppe; 1982 Generalleutnant der NVA, 1972-88 stellvertretender Chef Technik und Bewaffnung im Strausberger Ministerium.
Heinz Neukirchen (Jg. 1915), Oberleutnant z.S. in der Kriegsmarine; Vizeadmiral der NVA und Stabschef der Volksmarine bis 1964.
Friedrich Elchlepp (Jg. 1924), Oberleutnant z.S. in der Kriegsmarine; bis 1984 Seekommissar im Kommando der DDR-Volksmarine.
Friedrich Ring (Jg. 1915), Militärarzt (Oberarzt=Oberleutnant), NSDAP-Mitglied 1937; Kapitän z.S. (=Oberst) und Chef des Medizinischen Dienstes der Volksmarine bis 1962.
Reinhard Brühl (Jg. 1924), Leutnant bei den Panzeraufklärern; 1979 Generalmajor der NVA, bis Sommer 1989 Direktor des Militärgeschichtlichen Instituts der NVA in Potsdam. Wohl der letzte fast bis zum Ende der DDR noch aktive ehemalige Wehrmachtsoffizier in ihren Diensten.
Gerhard Kunze (Jg. 1923), Feldwebel der Panzertruppe in der Elitedivision „Großdeutschland“ (Wehrmacht); Generalleutnant der NVA 1979, 1965-88 stellvertretender Chef des Hauptstabes für Mechanisierung und Automatisierung der Truppenführung im Strausberger MfNV.
3. Ehemalige Wehrmachtsoffiziere in hohen zivilen Ämtern der DDR
Mit einem gewissen Bezug zum militärischen Bereich wären zu erwähnen die Gründungs- und führenden Mitglieder der „Arbeitsgemeinschaft ehemalige Offiziere“ (AeO):
Neben den erwähnten Dr. Otto Korfes, Rudolf Bamler und Martin Lattmann der ehemalige Wehrmachts-Generalmajor Wilhelm Kunze (Jg. 1894, bis 1957 als Verbindungsmann zu Ex-Generalfeldmarschall Friedrich Paulus in Dresden aktiv), die ehemaligen Wehrmachtsobersten Luitpold Steidle (Jg. 1898, 1950-58 Gesundheitsminister der DDR), Günther van Hooven (Jg. 1896, später führend in der DDR-Tourismus-Branche tätig) und Rudolf Petershagen (Jg. 1901, Ritterkreuzträger, in der DDR u.a. Vorstand des Schriftstellerverbandes für den Bezirk Rostock).
Erwähnt seien gleichfalls die ehemaligen Wehrmachtsmajore Heinrich Homann (Jg. 1911, 1933 NSDAP-Mitglied, später Spitzenfunktionär der Nationaldemokratischen Partei (NDPD) und stellvertretender Volkskammerpräsident), Kurt Schumann (Jg. 1908, NSDAP-Mitglied und ehemaliger Kriegsgerichtsrat in der 6. Armee, von 1949-60 Präsident des Obersten Gerichts der DDR) sowie Egbert v. Frankenberg und Proschlitz (Jg. 1909).
Letzterer (NSDAP-Mitglied 1931 und der SS 1932) war als Luftwaffenmajor 1938/39 Angehöriger der „Legion Condor“ im spanischen Bürgerkrieg und 1943 Geschwaderkommodore im Edelweiß-Kampfgeschwader Nr. 51. Ab 1952 tätig als Luftwaffenexperte bei der Volkspolizei, ab Mitte der 50er Jahre aktiv als Journalist und führender militärpolitischer Kommentator beim Staatlichen Rundfunk der DDR. Ebenfalls Vorstandsmitglied in der AeO.
Abschließend sei an dieser Stelle noch der ehemalige Generalfeldmarschall der Wehrmacht und Befehlshaber der 1943 im Stalingrader Kessel untergegangenen 6. Armee, Friedrich Paulus (1890-1957), erwähnt. Gegen Ende 1953 aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft in die DDR entlassen, lebte Paulus bis zu seinem Tod drei Jahre darauf mit eigenem Hauspersonal in einer komfortablen Villa im Dresdner Nobelviertel "Weißer Hirsch". bekleidete jedoch keine militärische oder sonstige amtliche Rangfunktion in der DDR. Paulus hielt in jenem Zeitraum einige militärgeschichtliche Vortrage an der Offiziershochschule von Dresden-Strehlen, der späteren Militärakademie, die zu dieser Zeit von seinem ehemaligen Adjutanten, Oberst Wilhelm Adam, geleitet wurde, der neben anderen ehemaligen "Stalingradern" auch privaten Kontakt zu ihm hielt. Ursprünglich im Februar 1957 mit militärischen Ehren auf dem Urnenhain des Friedhofs im Stadtteil Tolkewitz beigesetzt, wurde er danach in das Grab seiner schon 1949 verstorbenen rumänischen Ehefrau nach Baden-Baden überführt.
Literatur:
Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke, Handbuch der bewaffneten Organe der DDR, Augsburg (Weltbild-Verlag) 2004.
Torsten Diedrich/Rüdiger Wenzke, Die getarnte Armee. Geschichte der Kasernierten Volkspolizei der DDR 1952 bis 1956, Berlin 2001.
Klaus Froh/Rüdiger Wenzke, Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch, Berlin 2000.
Bruno Thoß (Hrsg.), Volksarmee schaffen – ohne Geschrei! Studien zu den Anfängen einer `verdeckten Aufrüstung` in der SBZ/DDR 1947-1952, München 1994.
Friedrich P. Martin, SED-Funktionäre in Offiziersuniform. Wer befiehlt in der „Nationalen Volksarmee“? Köln 1962.
Thomas M. Forster, NVA. Die Armee der Sowjetzone, Köln 1964.
Peter Joachim Lapp, Ulbrichts Helfer. Wehrmachtsoffiziere im Dienste der DDR, Bonn 2000.
Rüdiger Wenzke, Wehrmachtsoffiziere in den DDR-Streitkräften, in: Detlef Bald/Reinhard Brühl/Andreas Prüfert (Hrsg.), Nationale Volksarmee- Armee für den Frieden, Baden-Baden 1995, S. 143-156.
Paul Heider, Die Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere (AeO) – Propaganda- und Diversionsinstrument der SED, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, Heft 2/2002, S. 461-487.
[1]Historiker, u.a. tätig für das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung und das Militärgeschichtliche Forschungsamt. lit.:Manfred Zeidler, Der Weg von der Demilitarisierung zum Wehrbeitrag der DDR (1948-1952/53), in: Berliner Debatte Initial, 8. Jg. (1997), Heft 6, S. 29-36.