Iran: Harald Möller: Elitenkontinuität und Politik in der Dritten Welt. Rezension

 Die Beziehungen von Deutschem Reich und Bundesrepublik Deutschland mit Iran, China/Taiwan und Südafrika (von 1933 bis zum Beginn der 80er Jahre)1

vorgestellt von Christian Booß

Das öffentliche Interesse am Iran folgt Wellenlinien, im Moment, wie bei bestimmten Ereignissen, wie der Islamischen Revolution ist es hoch, ansonsten flaut es meist stark, was der Größe und Bedeutung des 90 Millionen Einwohner zählenden Erdölstaates mit der größten Armee im vorderen Orient nicht unbedingt gerecht wird. Insofern ist es gut, dass Wissenschaftler und Experten diese Zwischenzeiten nutzen, um den oft rätselhaft wirkenden Staat und seine Gesellschaft zu entschlüsseln. Solch eine ist Harald Möller, der seit Jahrzehnten zu Iran-Themen forscht und schreibt. Da er mehr auf Fakten als auf Schlagzeilen aus ist, erscheint die Lektüre auf den ersten Blick weniger spektakulär und allein auf Grund der Seitenzahl nicht unbedingt leichtgängig. Dies betrifft auch den jetzt vorliegenden Band zur Elitenkontinuität ?????

Es sind vor allem Materialien und Quellen, die den ersten und zweiten Band ergänzen. Die Triologie untersucht deutsche Eliten in Politik, Verwaltung und Wirtschaft, die seit dem Kaiserreich, v.a. aber dem Nationalsozialismus mit den Ländern Südafrika, China und eben dem Iran zu tun hatten, dem der ganze Band zwei gewidmet ist. Nun fragt man sich, was bringt das außer wissenschaftlicher Erkenntnissen für die heutigen Probleme. Wenig erstaunlich ist, wie auch der Autor einräumt, dass nicht wenige, die vor 1945 an den Schalthebeln der Macht saßen, dort auch nach 1945 dort verblieben. Interessant ist vielmehr was sie dort taten und mit welchen Folgen. Möller nennt ein prägnantes Beispiel. Fritz Werner war ein wichtiger Rüstungslieferant für das deutsche Reich, baute aber auch Rüstungsproduktionanlagen für den Iran. Bittere Ironie der Geschichte, alleine das Munitionswerk trug entscheidend zur Stabilisierung der diktatorischen Schah-Herrschaft wie auch des folgenden und noch existierenden Mullah-Regimes bei. In einer Zeit, wo Deutschland aus bekannten Gründen sich anschickt, seine Rüstungsproduktion anzukurbeln und auch leichthändiger Rüstungsgegenstände zu exportieren, ist das nur eines der interessanten Lehrbeispiele, die Möller aus dem Akten zutage gefördert hat. Abgesehen von den vielfältigen Einsichten in die iranisch-deutsche Geschichte.

1Harald Möller: Elitenkontinuität und Politik in der Dritten Welt. Die Beziehungen von Deutschem Reich und Bundesrepublik Deutschland mit Iran, China/Taiwan und Südafrika (von 1933 bis zum Beginn der 80er Jahre), Berlin. Weitere Infos: Logos Verlag Berlin GmbH, Georg-Knorr-Straße 4, 12681 Berlin