Die unabhängige Friedensbewegung in der DDR

von Rainer Eckert[1]

Die öffentliche Auseinandersetzung mit der deutschen Zeitgeschichte steht heute unter dem Diktum, dass das Verhalten der Deutschen in Diktaturen, wenn nicht ausschließlich, dann doch überwiegend von Anpassung, Gehorsam und Unterordnung geprägt gewesen sei. Sowohl beim Blick auf den Nationalsozialismus als auch auf die SED-Diktatur ist dies richtig; es gab in beiden Diktaturen aber immer auch Widerstand, Opposition und abweichendes Verhalten. So zählte zur antikommunistischen Opposition in der DDR auch die unabhängige Friedensbewegung, die sich besonders im Schutzraum einiger evangelischer Kirchen entwickelte und später den Charakter einer politischen Bewegung annahm, die einen entscheidenden Beitrag zum Sturz der SED-Diktatur leistete.[2] Dabei ist im Revolutionsjahr 1989 – unter anderem beim Vernetzungstreffen oppositioneller Gruppen „Konkret für den Frieden VII“ im Februar des Jahres in Greifswald – zu beobachten, das weitere oppositionelle Initiativen wie Menschenrechts- oder Ökologiegruppen zumindest teilweise an die Stelle von Friedensgruppen traten. Schließlich entstanden oppositionelle politische Parteien und Bewegungen, die personell und gedanklich der Friedensbewegung entsprangen, jedoch nicht mit dieser gleichzusetzen waren. Bezogen auf die gegenwärtige Bundesrepublik ist auch die Frage drängend, welche Rolle die Friedensbewegung heute im wiedervereinten Deutschland spielt. Hier erscheinen mir die Bindungen an die unabhängige Friedensbewegung in der DDR gering zu sein. Allerdings wird insbesondere im politischen Umfeld von Sahra Wagenknecht und ihren Anhängern die Forderung nach Frieden in einer von Kriegen erschütterten Welt politisch für die Stärkung des eigenen Personenbündnisses (BSW) ausgenutzt.

Beim Blick auf die DDR ist auch die Frage nach der Haltung der katholischen Minderheitenkirche naheliegend. Hier ist schnell zu erkennen, dass sie sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Etablierung der SED-Diktatur in ihrer Diaspora-Situation und der Konzentration auf übergreifende Strukturen mit dem Zentrum im Vatikan aus der Diskussion um die gesellschaftspolitischen Aspekte der unabhängigen Friedensarbeit heraushielt.[3] Erst 1983 kritisierte die Berliner Bischofskonferenz das internationale Wettrüsten und den Wehrunterricht in den Ausbildungsstätten der DDR. Unabhängig davon arbeiteten jedoch zahlreiche katholische Laien in evangelischen Gruppen mit und engagierten sich besonders in der ökumenischen Friedensbewegung der 1980er Jahre in konfessionell übergreifenden Zusammenhängen. Ein Beispiel hierfür ist eine katholische Bürgerrechtsgruppe in Leipzig[4] und eine weitere in Halle. Aber auch Potsdam ist hier zu nennen.

Die unabhängige Friedensbewegung im protestantischen und weitaus geringer im katholischen Umfeld in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR ist von den durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) formal außerhalb der eigenen Parteistrukturen initiierten Friedensbestrebungen grundlegend zu unterscheiden. Diese SED-nahe „Friedensbewegung“ diente letztlich der Stützung der Staatspartei und derer Verbündeter, also besonders von scheinselbständigen Parteien und von der SED abhängigen Organisationen, die diese unterstützten. Zu diesen diktaturnahen Unterstützern zählte eine nennenswerte Gruppe von evangelischen Theologen vor allem an ostdeutschen Universitäten: Mitglieder des „Weißenseer Arbeitskreises“ in Ost-Berlin, der „Christlichen Friedenskonferenz“ (CFK) und Teile des protestantischen Establishments. Viele dieser Befürworter der Kirchenpolitik der Staatspartei arbeiteten gleichzeitig mit deren Geheimpolizei, dem Ministerium für Staatssicherheit, zusammen. Dieses Kapitel ist besonders für die protestantischen Kirchen auch im vereinten Deutschland mit bitteren Erinnerungen verbunden und bis heute nicht restlos aufgeklärt. Für die SED waren andererseits die Mitglieder der unabhängigen Friedensgruppen immer nur „feindlich-negativ“ und vom Westen bzw. seinen Agenten in der DDR ferngesteuert. Dass es auf dieser Basis keine Zusammenarbeit geben konnte, diese auch nicht beabsichtigt war, liegt auf der Hand.

Zum Spektrum der Friedensbewegung im weitesten Sinn gehört darüber hinaus auch die direkte staatliche Friedenspolitik bzw. präziser die der SED, ohne allerdings zur sozialen Bewegung zu werden. Dabei war es für die Staatspartei ein Problem, dass sie auf der einen Seite die Einheit von Frieden und Sozialismus (konkret des bis zum Ende der DDR hier bestehenden Stalinismus) betonte, auf der anderen Seite jedoch mit der Theorie vom „gerechten Krieg“, dem „Kampf gegen den Imperialismus“, argumentierte. „Engagement für den Frieden“ war so für die SED immer der konsequent geführte Kampf um die Selbstbehauptung nach außen und um die Herrschaftsstabilisierung im Innern. Als Instrumente dieses Kampfes galten in der SED-Diktatur der „Friedensrat der DDR“ und global der „Weltfriedensrat“.

In diesem Umfeld sahen sich die protestantischen Kirchen in der DDR dem Druck der SED ausgesetzt, deren angebliche Friedenspolitik gegenüber der Bundesrepublik und dem Ausland zu vertreten und ihr im Lande selbst nichts entgegen zu setzen.[5] So begannen die Friedensaktivitäten des evangelischen Establishments bereits unmittelbar nach der Befreiung vom Nationalsozialismus im Rahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und setzten sich dort bis 1969 fort, um später im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) fortgeführt zu werden.[6] Nach dem Kirchenhistoriker Peter Maser lassen sich diese in eine erste Phase, die der Friedensarbeit in der EKD, eine zweite Phase des Engagements in der BEK und deren Umfeld und schließlich eine dritte Phase der Zusammenarbeit, aber auch der Abgrenzung zwischen Amtskirche und unabhängigen Friedensgruppen, einteilen.[7] Während in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Bewältigung des Kriegselends und des durch Flucht und Vertreibung entstandenen Leids besonders der Ostdeutschen im Mittelpunkt des Interesses der Kirchen standen, änderte sich dies mit Ausbruch des Kalten Krieges. Durch die Deutschland teilende Blockkonfrontation mussten Friedensfragen zwangsläufig an Bedeutung gewinnen. So veröffentlichte schon am 10. März 1948 der Rat der EKD zusammen mit Repräsentanten der Freikirchen das Wort „Für einen gerechten Frieden und gegen die Zerreißung des deutschen Volkes“. 1950 setzte die EKD-Synode die Frage danach, was die Kirche für den Frieden tun könne, auf die Tagesordnung.[8] Danach rückte immer mehr die Auseinandersetzung um die (atomare) Aufrüstung bzw. ihre Ablehnung in den deutschen Teilstaaten in den Fokus der Aufmerksamkeit. Formal existierten hier Anknüpfungspunkte zur offiziellen „Friedenspolitik“ der SED, die dennoch die Militarisierung der DDR mit allen Mitteln vorantrieb und – nach dem Beitritt zum Warschauer Vertrag im Rahmen dieses Bündnisses - einer aggressiven Militärdoktrin folgte. Dabei stand auch die Amtskirche vor dem Dilemma, einerseits aus christlicher Überzeugung den Waffendienst ablehnen zu müssen und andererseits den Waffengebrauch auch als mögliche christliche Handlungsweise zu akzeptieren.[9]

Aber auch die allgemeine politische Entwicklung im Rahmen des Kalten Krieges ging an dem Leitungspersonal der protestantischen Kirchen nicht vorbei. Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 schwanden die Hoffnungen der Ostdeutschen – und so auch der Mitglieder der verschiedenen Kirchen - auf eine schnelle Wiedervereinigung und auf ein nur kurzfristiges Bestehen der DDR. Damit verlor ihr bisheriger Widerstand gegen die Diktatur eine bedeutende Grundlage und Aktionen eines konsequenten Nein-Sagens wurden auch unter Nichtchristen seltener. Aber es war auch die Zeit der Frühphase einer unabhängigen protestantischen Friedensbewegung, die durch die Weigerung junger Christen und Pazifisten nach der Einführung der Wehrpflicht 1962, eine Waffe in die Hand zu nehmen, entstand. Wichtig für die weitere Entwicklung war, dass die SED bereits ab September 1964 dieser eine Wehrpflicht ohne Waffen, die „Bausoldaten“, zur Seite stellte. „Bausoldaten“ und „Totalverweigerer“ des Wehrdienstes bildeten im Laufe der kommenden Jahre zahlreiche oppositionelle informelle Zusammenschlüsse, die schließlich als Teil der Bürgerbewegung im Herbst 1989 handlungsmächtig werden sollten.[10]

So war die „Handreichung zur Friedensfrage“ vom Herbst 1961 die letzte gemeinsame Stellungnahme der EKD zur Friedenspolitik. Danach wurden die Gesprächsfäden zwischen den Kirchen in der DDR und der Bundesrepublik immer fragiler und schließlich öffneten sich mit der Gründung der BEK neue Möglichkeiten der Friedensarbeit.[11] So traf sich am 6. März 1978 die Leitung der BEK mit der SED- bzw. DDR-Führung zu einem Gespräch. Hier wurden den Geistlichen verschiedene Zugeständnisse gemacht, die einerseits die Arbeit der evangelischen Kirchen erleichterten, andererseits jedoch neue Abhängigkeitsverhältnisse schufen, da neu errungene „Privilegien“ nicht gefährdet werden sollten. So gab es beim Streit um den Wehrkundeunterricht oder später um das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ seitens leitender protestantischer Geistlicher durchaus die Sorge, durch diese Auseinandersetzungen für die Kirchen positive Festlegungen gefährden zu können.

Diese Haltung wirkte sich auch in den Gesprächen zwischen Personen der Leitungshierarchien der protestantischen Kirchen und Friedensaktivisten an der eigenen Basis aus, die mit ihrem Engagement geradezu zwangsläufig in Konflikt mit dem totalitär verfassten Herrschaftssystem geraten mussten. In dieser historischen Situation ist wiederum mit Peter Maser zu fragen, ob mit der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR nicht automatisch auch die Frage nach Widerstand und Opposition als solche in der DDR aufgeworfen werden muss. Wenn diese Frage bejaht wird, so ist zuerst widerständiges Verhalten in der kommunistischen Diktatur zu definieren. Naheliegend ist es, darunter einen gegen den allumfassenden Herrschaftsanspruch des Machtsystems der SED gerichteten Anspruch zu verstehen und diesen in die Gruppen: 1. Widerstand, 2. Opposition bzw. Bürgerbewegung und Dissidenz und 3. in Resistenz bzw. Verweigerung zu gliedern.[12]

Nach der Aggression von Warschauer-Pakt-Staaten gegen die ČSSR am 21. August 1968 entwickelte sich ab Anfang der 1970er Jahre eine dissidente Bürger- bzw. Bürgerrechtsbewegung, die sich personell im Kern aus Mitarbeitern der evangelischen Kirchen, aus dem Berufsleben verdrängten Menschen, aus Intellektuellen, Künstlern und Angehörigen marginalisierter Jugendgruppen zusammensetzte. Neben dem Engagement für Frieden und Abrüstung orientierten sich die Oppositionellen stark an der von der DDR 1975 in Helsinki auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) anerkannten Garantie der Menschenrechte. Auch die Bürgerbewegung der späten 1970er und der 1980er Jahre war eng mit der Friedensbewegung verbunden, die ihre Kristallisationspunkte ab 1971 in der sozialdiakonischen „offenen Arbeit“ mit Jugendlichen mit ihren Zentren in Jena, Rudolstadt und Halle-Neustadt hatte und wo etwa über Themen wie die Einrichtung eines sozialen Friedensdienstes diskutiert wurde. Dazu kamen ab 1973 die jährlichen „Friedensseminare Königswalde“. In dem kleinen Ort in der Nähe von Zwickau versammelten sich auch in den folgenden Jahren zweimal im Jahr bis zu 600 meist Jugendliche, um über Menschenrechte und Friedenserhaltung zu diskutieren. Menschen sollten dadurch ermutigt werden, sich kritisch mit Themen auseinander zu setzen, die in den DDR-Medien tabuisiert waren. So wurde hier gegen die militärische Erziehung an ostdeutschen Schulen protestiert oder versucht, mit bundesdeutschen und westeuropäischen Friedensaktivisten Kontakt aufzunehmen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Friedenskreise der protestantischen Jungen Gemeinden sowie die in kirchlichen Ausbildungsstätten sowie in Evangelischen Studentengemeinden (ESG) stattfindende Friedensarbeit.[13] Besonders die ESG, aber auch das „Jungmännerwerk“ und die Katholischen Studentengemeinden waren in der DDR Orte des freien Wortes, des Diskurses über Religion, Philosophie und Geschichte, aber auch über aktuelle Themen - auch wenn die Bespitzelung durch die Geheimpolizei kaum zu vermeiden war. Zu den aktuellen Themen zählten die Bewahrung der Schöpfung und die Frage, ob und wie weit ein Christ in einem atheistischen Staat Waffendienst leisten dürfe.

Ab Mitte der 1970er Jahren sollten dann ganz unterschiedliche Ereignisse oppositionelles Denken und Handeln besonders junger Christen prägen. Für kritisch eingestellte Protestanten war die Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 in Zeitz aus Protest gegen die kommunistische Jugendpolitik ein Fanal. Die Selbsttötung dieses Märtyrers verstärkte bei vielen die Kritik an Teilen der Kirchenführungen mit ihrer Strategie einer „Kirche im Sozialismus“.[14] Wichtig für die Entwicklung der unabhängigen Friedensbewegung waren die Proteste gegen den 1978 von der SED eingeführten Wehrunterricht an ostdeutschen Schulen zur weiteren Militarisierung der kommunistischen Diktatur und Aktionen der bundesdeutschen Friedensbewegung gegen den Doppelbeschluss der NATO Ende 1979 zur Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa für den Fall, dass die Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion erfolglos bleiben sollten. Die unabhängige Friedensbewegung in der DDR hatte – im Gegensatz zur staatlich verordneten - ihr Zentrum in der Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ (Prophet Micha, Kapitel 4, Vers 3), die ihr Symbol durch den sächsischen Landesjugendpfarrer Harald Bretschneider fand, der die Skulptur des vor dem UNO-Gebäude in New York stehenden Monuments des sowjetischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch zum Zeichen der Friedensdekaden erkor.[15] Dieses Zeichen schien ihm von der SED nicht angreifbar und transportierte gleichzeitig christliche Werte. Vor allem bei Jugendlichen stieß es auf große Resonanz, die sich noch durch eine Schmiedeaktion des Theologen Friedrich Schorlemmer im Juni 1983 auf dem Kirchentag in der Lutherstadt Wittenberg verstärkte, bei der ein symbolisches Schwert zur Pflugschar umgeschmiedet wurde.[16]

In den Jahren ab 1979 durchlief die unabhängige Friedensbewegung in der DDR einen Mobilisierungsschub. Waren bisher in die Friedensarbeit nur einzelne evangelische Junge Gemeinden und Arbeitskreise involviert gewesen, so entwickelten sich diese jetzt zur „offenen Arbeit“ und immer mehr Gruppen setzten sich mit der Friedensproblematik systematisch auseinander. Gleichzeitig stiegen die Zahlen der Wehrdiensttotalverweigerer und die der Bausoldaten. So war letztlich zu erwarten, dass sich die SED durch „Schwerter zu Pflugscharen“ als Friedenssymbol der protestantischen Kirchen herausgefordert fühlte und seinen Trägern unterstellte, „feindlich-negative Elemente“ zu sein und die Bestrebungen des „Klassenfeindes“ zu unterstützen, die Verteidigungsbereitschaft der DDR zu untergraben und damit schließlich den Frieden zu gefährden. Die Repression gegen die Träger von „Schwerter zu Pflugscharen“ begann an Schulen und Universitäten, aber auch gegenüber Lehrlingen. Junge Christen mussten die symbolischen Aufnäher von ihren Parkas und Jacken abtrennen, sie wurden „polizeilich zugeführt“ und wegen Verletzung „sozialistischer Normen“ bestraft. Bei vielen entfernten Lehrer oder Polizisten die Zeichen gewaltsam, andere ihrer Träger mussten ihre Schulen verlassen oder wurden von Universitäten relegiert. In einigen Fällen prügelte die Polizei auf den Straßen auch auf als unabhängige Friedensaktivisten erkennbare Jugendliche ein.

Als die Gegenaktion der Staatsjugend „Der Friede muss bewaffnet sein“ wenig Erfolg hatte, verstärkte die SED den Druck auf die protestantischen Kirchen und auf ihre Leitungen. Zwar protestierten immer wieder Geistliche gegen staatliche Erpressungsversuche, doch zogen sich die Kirchenleitungen schließlich weitgehend von der eigenen Friedensbewegung zurück, die sie selbst lange unterstützt hatten. So erklärte am 24. März 1982 die sächsische Landessynode in einem Brief, sie könne junge Christen vor den Folgen ihres unabhängigen Friedensbekenntnisses nicht mehr schützen.[17]

Anfang der achtziger Jahre sind unter den eigenständig in kirchlichen Strukturen arbeitenden Gruppen etwa der Berliner „Friedensarbeitskreis Pankow“ oder der ebenfalls Berliner „Friedrichsfelder Friedenskreis“ zu nennen. 1980 fand unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ auch die erste Friedensdekade der evangelischen Kirchen statt – diese Dekaden wurden als Zeiträume intensiver Friedensarbeit bis 1989 fortgesetzt. Ab 1981 arbeitete in Dresden eine Initiative für einen „sozialen Friedensdienst“ als Ersatz für den Wehrdienst. Diese und ähnliche Aktivitäten verstärkten sich zusehends, wobei dem vom Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann und dem prominenten Dissidenten Robert Havemann verfassten „Berliner Appell - Frieden schaffen ohne Waffen“ von 1982 eine besonders mobilisierende Wirkung, wie etwa beim Dresdner Friedensforum im gleichen Jahr, zukam. Die beiden Autoren richteten sich dabei nicht wie viele bundesdeutsche Intellektuelle im „Krefelder Appell“ vom November 1980 gegen den „NATO-Doppelbeschluss“, sondern gingen von zwei Voraussetzungen aus: die Sicherung des Friedens in Europa verknüpften sie mit der Lösung der offenen deutschen Frage und forderten das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen sowie die Loslösung der deutschen Teilstaaten aus ihrer militärischen Bindung an die jeweiligen Großmächte. Damit kam die Überwindung der deutschen Teilung auf die Tagesordnung. Andererseits betonten die Verfasser des – von vielen weiteren Persönlichkeiten unterschriebenen - Appells, dass die Friedensfrage eng mit der Gewährung demokratischer Rechte und Freiheiten in der DDR verbunden sei. Damit war die SED an einem zentralen Punkt herausgefordert.

Für Gruppen, die sich diese Forderungen zu eigen machten, war die Möglichkeit wichtig, ihren Protest gegen die Diktatur und deren Militarisierungskurs mit kirchlichen bzw. christlichen Argumentationsmustern zu verbinden, was zumindest einen gewissen Schutz gegen politische Verfolgung bot. Für die zunehmende Vernetzung dieser Kreise und die Herstellung von Öffentlichkeit waren neben den Friedensdekaden die Arbeit der „Frauen für den Frieden“, die Seminare „Konkret für den Frieden“ (bzw. „Frieden konkret“), die Umweltbibliothek an der Ostberliner Zionskirche, das „Grün-ökologische Netzwerk Arche“ und der „Freundeskreis Wehrdiensttotalverweigerer“ wichtig. Besonders „Frieden konkret“ entwickelte sich ab 1983 zu einem jährlichen Koordinierungstreffen oppositioneller Friedenskreise, die sich dort gegenseitig informierten und austauschten. Insgesamt existierten zu diesem Zeitpunkt ca. 100 konsolidierte und eigenständig arbeitende Friedensgruppen in fast allen Städten der DDR, die ein vielfaches Potential an Unterstützern zum Beispiel in den evangelischen Studentengemeinden und an kirchlichen Ausbildungsstätten mobilisieren konnten. Unter den katholischen Zusammenschlüssen erreichte der „Aktionskreis Halle“ (AKH) die größte Bedeutung.

Die Unterstützung aus dem Westen – besonders aus der Bundesrepublik – für die unabhängige Friedensbewegung in der DDR war gering. Sie wurde von einzelnen Persönlichkeiten, die teilweise aus der DDR stammten, und wenigen Politikern getragen. Besonders in Erinnerung ist dabei der 31. Oktober 1983, als SED-Generalsekretär Erich Honecker sieben bundesdeutsche Politiker der „Grünen Partei“ in Ost-Berlin empfing und Petra Kelly demonstrativ ein T-Shirt mit der Aufschrift „Schwerter zu Pflugscharen“ trug. Lukas Beckmann von den „Grünen“ legte Honecker einen „Persönlichen Friedensvertrag“ vor, der auf eine Initiative der mecklenburgischen und sächsischen Landeskirche zurückging. Schließlich unterzeichnete der SED-Politiker die Punkte „Abbau von Feindbildern“ und „Ausschluss gegenseitiger Gewaltanwendung“.[18] Der Verpflichtung, im eigenen Land die Abrüstung einzuleiten, verweigerte sich der Diktator jedoch, ließ aber – auch unter dem Druck internationaler Proteste – wenig später Bärbel Bohley und Ulrike Poppe frei, die als Aktivistinnen der ostdeutschen Friedensbewegung in Untersuchungshaft saßen. Aber dies entspannte die Situation in der DDR nicht grundsätzlich: Bereits wenige Tage später unterbanden Volkspolizei und Staatssicherheit den Versuch der „Grünen“, gemeinsam mit Oppositionellen aus der DDR Abrüstungsappelle in den Botschaften der USA und der UdSSR in Ost-Berlin abzugeben. Zwar machten insgesamt immer wieder bundesdeutsche Friedensinitiativen auf die Lage in der DDR aufmerksam, doch blieben solche gemeinsamen Ost-West-Aktionen eine seltene Ausnahme.

Ostdeutsche Friedensaktivisten orientierten sich zwar teilweise auch an den Zielen und Aktionsformen der westdeutschen Kämpfer für die Abrüstung, doch kam es zu wenigen Gemeinsamkeiten, da man im Westen vor allem an die Atomwaffen der NATO dachte, während im Osten eine allgemeine Abrüstung gefordert wurde und ganz praktisch die Waffen der sowjetischen Truppen auch vor der Haustür standen. Die Bedeutung der Demokratisierung im Moskauer Imperium und die Enttabuisierung der deutschen (Teilungs-)Frage um des Friedens willen fand unter den Friedensaktivisten in der Bundesrepublik nur wenig Verständnis.[19] Die Sicht der Friedensbewegung in der DDR war realitätsnäher und auch nicht so stark wie im Westen von Antiamerikanismus verstellt. Trotzdem waren die Gruppen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR durchaus daran interessiert, auch im Westen wahrgenommen zu werden, da sie dies vor politischer Verfolgung schützen konnte. Grundsätzlich sollte jedoch auch nicht vergessen werden, dass sich viele der Friedensbewegung in Ost und West nahestehenden Christen über direkte Kontakte vor allem in Patengemeinden kennen und verstehen lernten. Welche Wirkungen dies auf die Friedensbewegung in beiden deutschen Staaten hatte, liegt jedoch noch weitgehend im Dunkeln. Das gilt ebenso für die Kontakte nach Ostmitteleuropa, wobei sichtbar ist, dass die Kontakte zur „Charta 77“ in der Tschechoslowakei und zu polnischen Oppositionellen am ertragreichsten waren.

Die Politik der SED-Führung stand seit dem NATO-Doppelbeschluss von 1979 und der Reduzierung der sowjetischen Erdöllieferungen 1982 vor einem doppelten Problem: Sie wollte gegenüber Moskau Bündnistreue wahren und geriet zunehmend in wirtschaftliche Abhängigkeit von der Bundesrepublik.[20] Deshalb war die DDR auf eine zumindest formale Fortsetzung der Entspannungspolitik nach außen angewiesen. Gleichzeitig waren die Einflussmöglichkeiten auf die Politik der Sowjetunion äußerst gering und es blieb nur, die Friedensbewegung in der Bundesrepublik zu stärken und gleichzeitig zu versuchen, dass Bonn auf eine Nachrüstung verzichtet. Nun mag es der Ost-Berliner Parteichef Erich Honecker mit seinem Bekenntnis zum Frieden und gegen die Katastrophe eines nuklearen Krieges subjektiv durchaus ernst gemeint haben, doch steckte er hier verstärkt nach dem Nachrüstungsbeschluss des deutschen Bundestages vom 22. November 1983 in einem Dilemma.

Das bestand in dem von der Sowjetunion übernommenen Prinzip der „friedlichen Koexistenz“, das in der veränderten Situation der 1980er Jahre zu immer neuen ideologischen „Verrenkungen“ führen musste.[21] Denn zum einen war die weltweite Errichtung der kommunistischen Ordnung weiterhin das utopische Fernziel, gleichzeitig wurde militärische Konfrontation ausgeschlossen und der Frieden zum obersten Gut erklärt – und dies unabhängig von der jeweiligen konkreten Gesellschaftsordnung. Gleichzeitig sollte auf den „Klassenkampf“ und den Kampf gegen den „aggressiven Imperialismus“ nicht verzichtet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, war in verschwommenen Beschreibungen die Vereinigung von „Menschen unterschiedlicher sozialer Stellung, politischer Position und weltanschaulich-ideologischer Überzeugung aus allen Ländern und Regionen der Erde“[22] vorgesehen.

Unabhängige Friedensaktivisten im eigenen Land gehörten in den Augen der SED-Führung jedoch nicht zur Friedensbewegung, sondern galten als vom Westen gesteuerte „feindlich-negative Kräfte“. In der durch eigene Blindheit erzeugten, letztlich ausweglosen Lage versuchte die Staatspartei in der DDR die unabhängige Friedensbewegung einzudämmen, indem sie die eigenen Strukturen als die eigentlichen Träger von Abrüstungsbemühungen präsentierte, was im September 1987 beim „Olof-Palme-Friedensmarsch“ sogar zum gemeinsamen Auftreten von offizieller und oppositioneller Friedensbewegung führte, und gleichzeitig die Führung der evangelischen Landeskirchen unter Druck setzte, sich gegen die ihr eigentlich nahestehenden Friedensgruppen zu stellen. Gleichzeitig ging die Geheimpolizei immer wieder gegen Aktivisten der Friedensbewegung wie Bärbel Bohley, Roland Jahn oder Ulrike Poppe vor. Trotzdem konnten überregionale Friedenstreffen nicht verhindert werden, während andere Oppositionelle resigniert den Ausweg einer Ausreise in die Bundesrepublik wählten. Auszumachen ist jedoch auch, dass sich Gruppen wie der „Arbeitskreis Solidarische Kirche“ und die „Kirche von unten“ mit alternativen Kirchentagen – während der offiziellen Treffen dieser Art - stärker vom protestantischen Establishment distanzierten. Gleichzeitig wuchs die Vielfalt der oppositionellen Gruppen und immer mehr trat auch das Engagement für die in Ostdeutschland geschundene Umwelt und schließlich auch für Menschenrechte in den Vordergrund.

Die Entwicklung der Opposition mit ihrem politischen Konzept, das militärische Entspannung von der außenpolitischen Spannungsreduzierung und der innenpolitischen Demokratisierung abhängig machte,[23] beschleunigte schließlich ab 1987 der „Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“, der auf den Vorschlag Dietrich Bonhoeffers von 1934 für ein Friedenskonzil zurückging und 1983 von der 6. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Vancouver aufgegriffen worden war. Dazu kamen unter Beteiligung von Katholiken ab 1988 (unter dem Titel: „Eine Hoffnung lernt gehen“) die ökumenischen Versammlungen. Von größter Bedeutung war, dass die dritte Sitzungsperiode der Ökumenischen Versammlung in der DDR im April 1989 in Dresden zwölf „Ergebnistexte“ beschloss, die wesentliche „Krebsschäden“ in der Gesellschaft der DDR benannten.[24] Dazu zählten ihre Verfasser den totalen Herrschaftsanspruch von SED- und Staatsführung in Politik und Wirtschaft, aber auch in der Gesellschaft und gegenüber jedem Einzelnen. So hieß es, dass der Bürger sich nur als Objekt von Maßnahmen, aber nicht als kritisch mitarbeitendes Individuum erfahren würde. Die dadurch entstehenden Spannungen zwischen Regierenden und Regierten gefährdeten letztlich den inneren Frieden, aber auch den Frieden im gemeinsamen „Europäischen Haus“. Insgesamt nahmen Konziliarer Prozess und Ökumenische Versammlungen die kommunistischen Herrscher beim Wort und brachten sie so in eine Zwangslage, die zur Delegitimierung der SED-Herrschaft beitrug. So betrachtet hat Maser mit seiner Einschätzung Recht, dass letztlich die Friedensarbeit der BEK (zumindest in Teilen - R.E.) am Ende der DDR doch wieder selbständig geworden war.[25]

Eine Rolle bei der Entwicklung eines kritischen friedensbewegten Potentials spielten in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre auch verschiedene – bereits erwähnte - protestantische „Kirchentage von unten“ besonders in Ost-Berlin und in Leipzig. Schließlich wagte mit der „Initiative Frieden und Menschenrechte“, die in den Jahren 1985 und 1986 entstanden war, Anfang 1989 eine oppositionelle Gruppe den entscheidenden Schritt und trat unter dem Dach der evangelischen Kirchen hervor in die Öffentlichkeit.[26] Mit dem Anspruch auf Öffentlichkeit konnte die Selbstisolation in privaten oder kirchlichen Räumen gesprengt werden. Das trug dazu bei, dass die Diktatur von Tag zu Tag schneller ihrem Untergang in einer Friedlichen Revolution entgegen taumelte. Dabei ist es nicht nur von symbolischer Bedeutung, dass die gewaltlose Demonstration von mehr als 70.000 Menschen aus der ganzen DDR am 9. Oktober 1989 in Leipzig untrennbar mit den dort seit Jahren in der Nikolaikirche durchgeführten Friedensgebeten verbunden war. Und so war der Wandel von den unabhängigen Gruppen der Friedensbewegung zu politisch-oppositionellen Zusammenschlüssen die Voraussetzung für eine siegreiche Revolution und damit für die Erringung von Freiheit und deutscher Einheit.

Insgesamt erkannten die ostdeutschen Oppositionellen und so auch die Köpfe der unabhängigen Friedensbewegung die Möglichkeit einer revolutionären Umgestaltung des verkrusteten Machtsystems der Staatspartei erst sehr spät. Auch nach dem für die Bürgerbewegung katastrophalen Ergebnis der nach Jahrzehnten ersten freien Volkskammerwahl vom 18. März 1990 glaubten (mit Ausnahme der neu gegründeten ostdeutschen Sozialdemokratie, die allerdings ihre hochgespannten Wahlerwartungen ebenfalls verfehlte) noch viele Bürgerrechtler, die sich abzeichnende Wiedervereinigung mit grundlegenden Veränderungen in der „alten“ Bundesrepublik verbinden zu können. Dazu zählten das Ausscheiden beider deutscher Staaten aus ihren jeweiligen Militärblöcken und die Entmilitarisierung des vereinten Deutschlands. Andere hofften darauf, dass der deutsche Vereinigungsprozess mit dem europäischen Geschehen so verkoppelt werden könne, dass die Deutschen der Entwicklung auf unserem Kontinent nicht vorangehen würden. Gleichzeitig wurde erst spät begriffen, dass die Existenz der DDR als Staat untrennbar mit der diktatorischen Herrschaftspraxis der Staatspartei SED verbunden war.

In dieser Situation verlor die unabhängige Friedensbewegung zum einen dadurch an Einfluss, dass viele ihrer Vertreter sich in anderen Oppositionsgruppen und dann auch verstärkt in neu gegründeten Parteien organisierten. Zum anderen verschwand zuerst die hoch militarisierte SED-Diktatur mit ihrem Militärapparat und später zogen die sowjetischen bzw. russischen Truppen aus ihren Standorten im Osten des nunmehr vereinten Deutschlands ab. Die unabhängige Friedensbewegung hatte so ihren Bezugsrahmen und die von ihr verfolgten Ziele verloren. Für den Osten Deutschlands ist heute charakteristisch, dass die Friedensdekaden der protestantischen Kirche an vielen Orten fortgeführt werden, aber bei weitem nicht mehr die politische Brisanz und die Beteiligung wie in der DDR besitzen, was jedoch auch für andere kirchliche Arbeitsfelder gilt. So war die unabhängige Friedensbewegung in der DDR ein Spezifikum der zweiten deutschen Diktatur. Unter demokratischen Bedingungen muss das Ringen um Abrüstung und Friedensfähigkeit geradezu zwangsläufig neue Formen finden.

Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die unabhängige Friedensbewegung auch in der Revolution von 1989 und im Prozess der deutschen Wiedervereinigung durchaus Wirkung zeigte.[27] So waren die Minister der ersten frei gewählten DDR-Regierung Rainer Eppelmann und Markus Meckel ehemalige Bausoldaten; viele andere politische Akteure dieser Zeit hatten sich zuvor in der unabhängigen Friedensbewegung engagiert. Sie nutzten die dort gesammelten Erfahrungen für den Demokratisierungsprozess und für die Durchsetzung der Prinzipien von Gewaltlosigkeit und offenem Meinungsstreit. Dem Erbe der Friedensbewegung fühlten sich nicht zuletzt auch die Vertreter demokratischer Kräfte am „Zentralen Runden Tisch“ verpflichtet, und so flossen deren Vorstellungen in den nicht umgesetzten Entwurf für eine Verfassung eines demokratischen ostdeutschen Staates ein.[28] Zwar war es weder realistisch noch wünschenswert, auf ein solches politisches Gebilde zu hoffen, doch muss festgehalten werden, dass sein Staatswappen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ auf schwarz-rot-goldenem Grund sein sollte.

Heute, 36 Jahre nach der Friedlichen Revolution, spielt die Friedensbewegung nicht mehr die Rolle wie im geteilten Deutschland. Heute ist sie Teil einer gesamtdeutschen Bewegung für friedliche Konfliktlösungen. Angesichts des brutalen Aggressionskrieges eines imperialistischen Russlands gegen die Ukraine, einen demokratischen Nachbarstaat, überrascht das. Und so bleibt die Frage zu beantworten, ob und wie sich Friedensbewegung und Wehrhaftigkeit in einer Demokratie verbinden lassen. Jedenfalls wird das nicht gehen, wenn die Forderung nach Frieden mit leicht zu durchschauenden politischen Zielen wie beim BSW verbunden wird. Da die Zahl derjenigen, die die unabhängige Friedensbewegung vor 1989/90 in Ost und Westen maßgeblich prägten und trugen geringer wird, ist es umso dringlicher, ihre Ansätze und Ziele heute wieder in die gesellschaftliche Diskussion einzubinden. Das bedeutet auch, mit Friedenshoffnungen die Verteidigung von Demokratie und Freiheit zu vereinen. Hier stehen wir noch ganz am Anfang.


[1] Prof. Dr. Rainer Eckert ist Historiker und Politikwissenschaftler. Er war langjähriger Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

[2] Maser, Peter: Selbständigkeit, Einheit und innerer Zusammenhang der Friedensbewegung in der DDR, in: Maruhn, Jürgen; Wilke, Manfred (Hrsg.): Raketenpoker um Europa: Das sowjetische SS 20-Abenteuer und die Friedensbewegung. München 2001, S. 164; knappe Übersicht zur Gesamtproblematik: Knabe, Hubertus: Unabhängige Friedensbewegung, in: Veen, Hans-Joachim u. a. (Hrsg.): Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur. Berlin, München 2000, S. 141-143.

[3] Neubert, Ehrhart: Opposition in der DDR 1949-1989. Berlin 1997, S. 468-469.

[4] Zur Situation in Leipzig grundlegend: Eckert, Rainer: Opposition, Widerstand und Revolution: Widerständiges Verhalten in Leipzig im 19. und 20. Jahrhundert. Leipzig 2024.

[5] Hierzu und zur protestantischen Opposition in der DDR grundlegend: Neubert: Opposition.

[6] Übersicht dazu: Maser: Selbständigkeit, S. 162-196.

[7] Ebenda , S. 164.

[8] Zur Darstellung der offiziellen Friedenspolitik der evangelischen Kirchen vgl.  Ebenda, S. 167-168.

[9] Ebenda, S. 170.

[10] Eisenfeld, Bernd: Kriegsdienstverweigerung in der DDR - ein Friedensdienst? Genesis, Befragung, Analyse, Dokumente. Frankfurt/Main 1978.

[11] Maser: Selbständigkeit, S. 172.

[12] Kowalczuk, Ilko-Sascha: Von der Freiheit, Ich zu sagen: Widerständiges Verhalten in der DDR, in: Poppe, Ulrike; Eckert, Rainer; Kowalczuk, Ilko-Sascha  (Hrsg.): Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung: Formen des Widerstandes in der DDR. Berlin 1995. = Forschungen zur DDR-Geschichte 6, S. 90; Eckert, Rainer: Widerstand und Opposition in der DDR: Siebzehn Thesen, in: Zeitschrift Geschichtswissenschaft, Berlin 44 (1996) 1, S. 52.

[13]Dazu:Neubert: Opposition, S. 463-470.

[14] Müller-Enbergs, Helmut; Stock, Wolfgang; Wiesner, Marco: Das Fanal: Das Opfer des Pfarrers Brüsewitz aus Rippicha und die evangelische Kirche.  Münster 1999; Schultze, Harald (Hrsg.): Das Signal von Zeitz: Reaktionen der Kirche, des Staates und der Medien auf die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz. Eine Dokumentation. Leipzig 1993.

[15] Dazu: Eckert, Rainer; Lobmeier, Kornelia: Schwerter zu Pflugscharen: Geschichte eines Symbols. – Bonn, 2.007. = Zeitgeschichte(n). Das Schwert bzw. die Pflugschar war viele Jahre ein zentrales Objekt der Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig.

[16] Ebenda, S. 6-11.

[17] Ebenda, S. 20.

[18] Ebenda, S. 22.

[19] Maser: Selbständigkeit, S. 188.

[20] Vgl. dazu: Wentker, Hermann: Der NATO-Doppelbeschluss und die deutsch-deutschen Beziehungen, in: Becker-Schaum, Christoph; Gassert, Philipp; Klimke, Martin; Mausbach, Wilfried; Zepp, Marianne (Hrsg.): „Entrüstet euch!“: Nuklearkrise, NATO-Doppelbeschluss und Friedensbewegung. Paderborn u. a. 2012, S. 88-102.

[21] Als letztes Beispiel vgl. die gewundenen Ausführungen im Kleinen politischen Wörterbuch (letzte Neuauflage Berlin 1988) zu den Begriffen: Frieden, Friedensbewegung, Friedensprogramme der UdSSR, Friedensrat der DDR, Friedliche Koexistenz und Weltfriedensrat (S. 285-292, 295-298,1080-1081).

[22] Ebenda, S. 288.

[23] Neubert: Opposition, S. 558.

[24] Maser: Selbständigkeit, S. 182.

[25] Ebenda, S. 184.

[26] Gruppen wie „Frauen für den Frieden“ arbeiteten ab 1982 inhaltlich weitgehend unabhängig, aber in kirchlichen Räumen und genossen so einen gewissen Schutz.

[27] Eckert/Lobmeier: Schwerter zu Pflugscharen, S. 44-45.

[28] Verfassungsentwurf der Deutschen Demokratischen Republik / Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des Runden Tisches. Berlin 1990.