Mutiges Bekenntnis oder (zu) späte Reue?

Was 31 Jahre lang kein Thema war, ist jetzt in Sachsen ein Thema geworden. Das Verhalten einiger ehemaligen Bürgerrechtler 19898 in der Stasi-Haft.  Hintergrund sind einerseits Querelen um die Runde Ecke in Leipzig. Andererseits gibt es in  der Aufarbeitungsszene Meinungsverschiedenheiten über die  Kandidaten für  den künftigen Opferbeauftragten.

Die historische Dimension

Anläßlich einer Demonstration für Meinungsfreiheit in der DDR  am 15. Januar 1989, ironischerweise und bewusst am Todestag der KPD-Gründerin und SED-Ikone Rosa Luxemburg, die sich ja für die Freiheit der Andersdenkenden ausgesprochen hatten, schlug die Stasi zu. Ein  Dutzend Bürgerrechtler wurde in Leipzig festgenommen und mit Strafverfolgung bedroht. Die Stasi setzte die Inhaftierten psychisch stark unter Druck. Man hielt ihnen angebliche oder wirkliche Aussagen anderer vor, um sie zum Reden zu bringen. Manche redeten.

Die heutige Dimension

Das Geschehen und das Aussageverhalten von damals sind jetzt Thema in Sachsen und inzwischen darüber hinaus.  Bei manchen eher im persönlichen Geprächen oder in mails. Andere äußern sich öffentlich. So Uwe Schwabe, einer der damals Inhaftierten, wegen seines Engagements im Archiv Bürgerbewegung, Leipzig auch außerhalb von Leipzig ein bekannter Name. Ein mutiger Schritt meinen einige. Ein merkwürdiger Zeitpunkt und vermutlich nicht ganz freiwillig, vermuten andere. Denn Uwe Schwabe ist derzeit in den Leipziger Diskussionen um die Runde Ecke beteiligt. Nicht nur das. Er wird derzeit in den Medien als möglicher Kandidat für das Amt des neu geschaffenen ersten Bundes-Opferbeauftragten genannt.

Wir dokumentieren mit seinem Einverständnis das differenzierte Schreiben von Uwe Schwabe, in dem er aus persönlicher Sicht seine Erlebnisse von damals in Haft reflektiert. Mehr...

Der Text erschien zuerst auf der Internetseite des Archiv Bürgerbewegung. Dort sind auch die Hintergründe der Demo vom 15.1.1989 erläutert. Mehr...

Wie sehr die Diskussion um Schwabe mit der Personalie des Opferbeauftragten verknüpft ist, zeigt die zeitgleiche Parteinahme für eine andere Kadidatin Petra Morawe. Die langjährige brandenburgische Opferberaterin wurde von Maria Nooke, der dortigen Landesbeauftragten für die Aufarbeiutng ins Spiel gebracht.  Als weitere Kandidaten sind der UOKG-Vorsitzende Dieter Dombrowski und die Aufarbeitungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Neumann-Becker im Gespräch. Fast zeitgleich zur Veröffentlichung des Leipzigers Schwabe plädierte nun der sächsische Landesbauftragte, Lutz Rathenow, für Morawe. Mehr..

Inzwischen glühen die Webleitungen. Mails für und wider flitzen hin und her. Manche grob polemisch, manche wollen offenkundig Schwabe helfen. Sie verweisen darauf, das er schon früher über die Haft berichtet hätte, u.a. in Horch und Guck. Ob die Texte das hergeben, was die Einreicher suggerieren, mag jeder selber entscheiden.

Horch und Guck 1997. Mehr...

Text II, 1994. Mehr...